Die Isländer haben seit jeher eine besondere Art, die Naturgewalten zu erklären. Der Legende nach stammt der Name des Vulkans von einer temperamentvollen Haushälterin namens Katla, die im 12. Jahrhundert im Kloster Þykkvabæjarklaustur arbeitete.

Katla war als Hexe berüchtigt und besass eine magische Hose, die den Träger unermüdlich und schnell wie den Wind laufen liess. Als ein Hirte namens Barði ihre Hose ohne Erlaubnis benutzte, um entlaufene Schafe zu finden, tötete sie ihn in einem Anfall von Jähzorn und versteckte seine Leiche in einem Fass mit Sauermilch (Skyr-Molke).

Als die Tat im Frühjahr entdeckt zu werden drohte, zog Katla ihre Zauberhose an, rannte zum Mýrdalsjökull und stürzte sich in eine Gletscherspalte. Kurz darauf brach der Vulkan aus und eine gewaltige Flutwelle verwüstete das Land – die Menschen glaubten, dies sei Katlas Rache aus dem Jenseits.

Historische Ausbrüche: Als das Wasser die Küste verschob

Die Geschichte der Katla ist eine Geschichte der Zerstörung, aber auch der Landschaftsgestaltung.

  • 1918 – Der letzte grosse Knall: Die Eruption von 1918 war so gewaltig, dass die von der Hitze geschmolzenen Eismassen (ein so genannter Jökulhlaup) gigantische Mengen an Sedimenten ins Meer spülten. Die Südküste Islands wurde dadurch um stolze fünf Kilometer nach aussen verschoben. Berichte erzählen von Eisbergen, so gross wie Häuser, die in den Fluten schwammen.
  • 1755 – Ein Sommer der Blitze: Bei diesem Ausbruch wurde die Aschewolke so hoch geschleudert, dass durch die statische Aufladung massive vulkanische Blitze entstanden. Zwei Menschen verloren damals ihr Leben, als sie direkt vom Blitz getroffen wurden. Die Dunkelheit durch die Asche war so dicht, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sah.
  • 939 – Die Eldgjá-Eruption: Dieser Ausbruch war einer der grössten Lavaströme der Menschheitsgeschichte und steht in engem Zusammenhang mit dem Katla-System. Es wird vermutet, dass dieses Ereignis sogar das Klima auf der Nordhalbkugel beeinflusste und zu Missernten in Europa führte.

Warum wir heute genau hinsehen

Ein Ausbruch der Katla ist heute vor allem wegen der Jökulhlaups (Gletscherläufe) gefürchtet. Wenn das Eis schmilzt, ergißt sich eine Schlamm- und Wassermasse über den Mýrdalssandur, die die Kapazität des Amazonas-Stroms bei weitem übersteigen kann. Die Ringstrasse (Hringvegur), Islands wichtigste Verkehrsader, wäre innerhalb von Minuten unterbrochen.

Die aktuellen seismischen Aktivitäten (Stand März 2026) mit Beben bis zur Stärke 2,5 zeigen, dass die Magmakammer unter dem Eis arbeitet. Für Geologen ist es kein «Ob», sondern nur ein «Wann».

Fazit für Reisende und Island-Fans

Die Katla ist ein faszinierendes Beispiel für Islands duale Natur: Zerstörung und Erschaffung gehen Hand in Hand. Wer heute an der Südküste bei Vík entlangfährt, blickt auf weite schwarze Sandebenen – stumme Zeugen der Katla-Fluten vergangener Jahrhunderte.

Auch wenn die Katla derzeit nur «an sich erinnert», bleibt sie die unangefochtene Königin der isländischen Vulkane – mächtig, unberechenbar und tief im Eis verwurzelt.


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